LiveEO ist das Startup der Woche 36: Innovative Infrastructure Monitoring from Space


Energie & Umwelt, IT & IKT

LiveEO ist ein Berliner Startup, das erstmalig anhand von Satteliten-Daten in der Lage ist Infrastrukturen, wie Schienen, Stromnetze oder Rohrsysteme zu überwachen. Dabei erfolgt ihr Monitoring in Echtzeit und auf Basis von Künstlicher Intelligenz. Mit Co-Founder Sven Przywarra von der LiveEO GmbH haben wir uns über ihren innovativen Geschäfts- und Lösungsansatz zur Überwachung von Infrastrukturen aus dem All ausgetauscht.

Hi Sven, könntest du uns in einem Satz die Frage beantworten, was das Besondere an LiveEO ist?

LiveEO nutzt Satellitenbilder zur automatisierten Überwachung großflächiger Infrastrukturnetzwerke und ermöglicht es den Betreibern Betriebskosten zu sparen, indem ihnen direkt nutzbare Informationen zu Gefahren durch Vegetation, Höhenunterschiede und Interaktionen mit Dritten entlang der Netze zur Verfügung gestellt werden.

Das hört sich nach einer vielversprechenden technischen Lösung an, die einen großen Nutzen und Mehrwert verspricht. Wie stellt ihr eine hochfrequente und gründliche Überwachung von Infrastrukturnetzwerken sicher?

Weltweit gibt es über 20 Millionen Kilometer Infrastrukturnetzwerke. Diese müssen nicht nur wiederholt, sondern auch effizient überwacht werden. In jüngster Zeit sind die Waldbrände in Nordamerika und Portugal, die durch zu vegetationsnahe Stromnetze verursacht wurden, und die Pipeline-Katastrophe vom Januar 2019 in Mexiko dramatische Beispiele für die Probleme, mit denen die Industrie konfrontiert ist. Gleichzeitig führt die zunehmende Anzahl von extremen Wetterereignissen zu immer häufigeren und gewalttätigeren Bedrohungen für unsere Gesellschaft und ihre Infrastruktur. Das Verständnis der Risiken, ihre Kontrolle und Minderung wird weltweit zu einer immer unerlässlicheren Aufgabe werden. LiveEO zielt darauf ab, die notwendige hochfrequente und gründliche Überwachung industrieller Infrastrukturnetze wie Eisenbahn-, Strom-, Öl- und Gaspipeline-Netze zu gewährleisten, unabhängig davon, ob es sich um kleine, lokalisierte oder länderübergreifende Netze handelt.
Das Monitoring ist als „Information-as-a-Service“-Plattform konzipiert, bestehend aus einem Frontend und einer mobilen App, die den Zugriff auf unsere Monitoring-Services ermöglicht. Diese bestehen aus Satelliten gestützten Vegetationsanalysen zur Erkennung von Gefahren für Oberleitungen und Bahntrassen durch Bäume, sowie der Identifizierung von Bodenbewegungen und Fremdeinflüssen in der Nähe von Rohrleitungen. Auf diese Weise können unsere Kunden, die Betreiber von Infrastrukturnetzen, den aktuellen Zustand ihrer Anlagen mit hoher Effizienz beurteilen und bei Bedarf vorbeugende Maßnahmen ergreifen – basierend auf den Erkenntnissen unserer, auf Satellitendaten basierenden, künstlichen Intelligenz.

Wie erfolgt derzeit und ohne Einsatz eurer satellitenbasierten KI-Software-Lösung die Zustandsüberwachung von zentralen Infrastrukturen durch die Betreiber?

Betreiber von Infrastrukturnetzen nutzen zurzeit hauptsächlich manuelle, unflexible, eng fokussierte Lösungen, z.B. den Einsatz von Autos oder Hubschraubern zur Überwachung von Infrastrukturnetzen, trotz der Verfügbarkeit von Satellitendaten. Diese manuellen Überwachungsprozesse sind oft ineffizient und führen zu hohen Netzbetriebskosten. Großflächige Überwachungen oder Bestandsaufnahmen von Netzwerken, die ein ganzes Land abdecken, können mit den bisherigen Methoden Jahre dauern. Hier setzt die innovative Satellitendaten basierte künstliche Intelligenz von LiveEO an und verkürzt die Analyse auf unter 48 Stunden. Die aus der Analyse abgeleiteten Erkenntnisse ermöglichen fundierte Managmententscheidungen über tausende Kilometer Netzwerk ohne eine weitere Verarbeitung durch Geowissenschaftler zu benötigen. Die Verteilung der Erkenntnisse über ein Frontend und eine mobile App an das Personal vor Ort führen dabei zu einem hocheffizienten und transparenten Arbeitskräftemanagement, bei gleichzeitig kostengünstiger Integration in bestehende Prozesse via API und Datenbank (SAP) Anbindungen.

Damit verkürzt ihr Arbeitsprozesse erheblich und könnt wertvolle Informationen für Management-Entscheidungen und die Einleitung von Maßnahmen schnell liefern. Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?

Unser Produkt wird als Software as a Service (SaaS) bzw. Information as a Service (IaaS) angeboten. Der Kunde kann seinen Service dabei nach seinen jeweiligen Wünschen konfigurieren. Die Kosten für den Zugang zum Service werden dabei nach überwachten Netzwerkkilometern berechnet.

Wie wird euer Produkt- bzw. Serviceangebot bislang von Infrastrukturbetreibern angenommen?

Der angebotene Service richtet sich vor allem an Stromnetz-, Bahnnetz- und Pipelinebetreiber und ist international ausgerichtet. Es können sowohl Übertragungsnetze, als auch Verteilernetze analysiert werden. Innerhalb der Netzbetreiber gibt es zwei Gruppen von Anwendern. Das Frontend ist für die Entscheidungsträger und das Management konzipiert und bietet einen Überblick über das gesamte Netz. Als Gegenstück dazu erlaubt die mobile App dem Personal vor Ort gezielt Aufgaben vom Management entgegen zunehmen und den Fortschritt bei der Bearbeitung zu dokumentieren. Dies ermöglicht eine transparente Kommunikation zwischen allen Anwenderebenen.

Könnt ihr auf erste Projekterfahrungen zurückblicken, d.h. in welcher Phase befindet ihr euch aktuell?

Nach einigen erfolgreichen Pilotprojekten befinden wir uns derzeit in der Phase der Markteinführung. Wir konnten erste Ankerkunden gewinnen und analysieren beispielsweise ganze Schiennenetze über tausende Kilometer auf Gefahren durch Vegetation. Wir befinden uns in mehreren fortgeschrittenen Projekten und haben Stromnetze im Bereich der Verteil- und Übertragungsnetze  analysiert.

Damit könnt ihr bereits auf einige erfolgreiche Piloten blicken und habt namhafte Unternehmen als Partner gewinnen können. Respekt! Wir wünschen euch viel Erfolg weiterhin und hoffen, euch noch oft zu begegnen. Wer mehr über euch und euer Angebot erfahren möchte, kann sich gern hier über euer Energieloft-Profil informieren. Eure Kontakt-Infos sind auch in eurem Kunden Request hinterlegt.