Bia ist das Startup der Woche 49: KI-gesteuerte Optimierung von Stromnetzen für Elektromobilität


Energieeffizienz & Umwelt, IT & IKT

Elektroautos sind aufgrund wirtschaftspolitischer und umweltbedingten Entwicklungen auf dem Vormarsch. Allerdings sind unsere Stromnetze nicht auf diese Entwicklungen ausgelegt. Denn die Elektrifizierung des Verkehrs erhöht die Spitzennachfrage und verursacht zusätzliche Kosten, Ineffizienzen und Umweltverschmutzung in den Stromnetzen. Außerdem haben die Stromnetze aufgrund von Unterbrechungen und mangelnder Dispositionskontrolle Schwierigkeiten bei der Integration erneuerbarer Energien, was zu Schwankungen im Netz führt. Unser Startup der Woche, Bia, hat sich diesen Problemen angenommen und mithilfe von Machine Learning Lösungen dafür entwickelt. Wir sprechen heute mit Anne-Lise Laurain, Head of Product Strategy bei Bia, um mehr über das Startup und seine Idee zu erfahren.

Hallo Anne-Lise! Danke, dass du dir heute die Zeit für uns genommen hast. Wir starten auch gleich schon mit der ersten Frage. Was macht ihr bei Bia?

Bei Bia entwickeln wir Softwarelösungen, um Elektrofahrzeuge und verteilte Speicher in Kernbestandteile sauberer und widerstandsfähiger Stromnetze zu verwandeln. Wir steuern den Ladevorgang von Elektrofahrzeugen so, dass die gesamte flexible Kapazität für den Netzbetrieb zur Verfügung steht, während Flotten und einzelne EV-Besitzer eine konstante Verfügbarkeit, billigere Ladung und gesündere Batterien haben.

Das klingt sehr spannend! Wie funktioniert das Ganze im Detail?

Unsere Softwareplattform bietet Werkzeuge für eine optimierte Interoperabilität zwischen E-Mobilität und Versorgungsunternehmen. Sie reduziert die Stromkosten und minimiert den Batterieabbau für EVs, indem sie den Ladevorgang optimiert und gleichzeitig das Kundenerlebnis erhält. Außerdem ist unsere Software in der Lage, die Lade- und Prognoseflexibilität aus der Ferne zu steuern. Das bietet Netzbetreibern neue Werkzeuge, um Spitzenlasten aus EVs zu bewältigen und die Integration intermittierender erneuerbarer Energien zu erleichtern.

Unser erstes Serviceangebot, Analytics for Insights, umfasst Datenanalysen zur Identifizierung des Flexibilitätswerts, ein Simulationsmodell mit Optimierungsszenarien und einen Vorschlag zur Implementierung. Wenn wir eine optimierte EV-Ladung implementieren, sparen unsere Kunden Geld, schonen die Batterie und haben die Möglichkeit, an Netzdienstleistungen teilzunehmen.

Darüber hinaus haben wir eine Optimierungssoftware namens Opti. Sie beinhaltet anpassbare Optionen wie z.B. die Anreizregulierung bei hohen Stromerzeugungszeiten. Schließlich wird die Zusammenführung und Optimierung dieser Speicheranlagen zu einem wertvollen Netzdienst, der neue Einnahmen durch Spitzenlasten, Nachfrageresponsoring und Zusatzleistungen ermöglicht und wertvolle Datensätze und Erkenntnisse für Netzbetreiber liefert.

Im Moment befassen sich viele mit der Optimierung der Ladenetze, was grenzt euch von deren Ideen ab?

Unsere Plattform basiert auf einer Cloud-Architektur, die für ein breites Spektrum von verteilten Speicherressourcen eingesetzt werden kann und für den Einsatz in großen Mengen konzipiert ist. Unsere Machine Learning Algorithmen analysieren und prognostizieren das EV-Verhalten. Dann finden unsere Optimierungs- und Aggregationsmodelle den höchsten Wert an Flexibilität, erneuerbaren Verbrauch und Beteiligung an Netzbetreibermärkten.

Im Gegensatz zu den meisten unserer Wettbewerber konzentrieren wir uns nicht auf die Hardwareentwicklung, sondern auf die Entwicklung skalierbarer und hardware-unabhängiger Software.

Darüber hinaus beziehen wir strategisch den unerschlossenen Markt der Light-EV-Flotten ein, den nur sehr wenige Unternehmen betrachten. Analytics for Insights bietet Datenanalysedienste, die Optimierungsmöglichkeiten für Kunden simulieren, bevor sie sich für die Implementierung unserer Software entscheiden.

Unsere Pilotprojekte in den Emerging Energy Markets bieten die Möglichkeit, ein breites Anwendungsspektrum zu validieren, von der Ladungsoptimierung bis hin zu V2G-Fähigkeiten, während wir Bia als globale Plattform mit positiven Auswirkungen auf ländliche Gemeinschaften und Mini-Netze bis hin zu zentralisierten Systemen in den am weitesten entwickelten Umgebungen etablieren.

Wir sind ein sogenanntes “world positive” Unternehmen mit der Überzeugung, dass Zero Carbon Grids nicht nur möglich sind, sondern dass sie widerstandsfähig, zuverlässig und für alle zugänglich sind.

Wie integriert ihr eure Cloud-Lösung inklusive der verschiedenen Leistungen denn in ein Geschäftsmodell?

Wir haben verschiedene Möglichkeiten, Umsatz zu generieren. Erstens erwirtschaftet Bia Einnahmen durch Daten- und Simulationsdienstleistungen mit Beraterverträgen im Rahmen von “Analytics for Insights“. Diese wird zu einem festen Projektpreis berechnet, der je nach Größe und Qualität des Datensatzes sowie dem Volumen der Flotte oder der Ladeinfrastrukturkapazität variiert.

Wir erzielen Einnahmen aus einer monatlichen Gebühr mit Opti-Implementierungen, da EV-Betreiber und Ladepunktinhaber von niedrigeren Stromrechnungen, optimiertem Batteriezustand und der Teilnahme an Netzdienstleistungen profitieren.

Als Aggregator werden wir Einnahmen aus der Teilnahme an der Nachfragesteuerung, der Lastverlagerung und der Erbringung von Zusatzleistungen generieren.

Für Versorgungsunternehmen können wir Flexibilitätsprognosen, Sichtbarkeit hinter dem Zähler und Datendienste für Echtzeit- und Zukunftsplanungsanforderungen gegen eine pauschale Jahresgebühr anbieten.

Auf welchen Märkten seid ihr vertreten?

Wir konzentrieren uns auf Europa und die USA, da wir das Potenzial bei der Öffnung der Märkte für EV-Wachstum und Demand Response sehen. Basierend auf dem erwarteten EV-Wachstum in den USA und Europa wird die gemeinsame Marktgröße bis 2030 mindestens 50 Mrd. $ betragen.

Uns erwarten auch bedeutende Chancen in den Schwellenländern, da das Wachstum von Light-EVs und erneuerbaren Energien in den nächsten Jahren exponentiell zunehmen wird. Insgesamt sehen wir eine globale Marktchance von 100 Mrd. $.

Wo steht ihr denn aktuell mit der Entwicklung von Bia? Ist eure Cloud Plattform bereits nutzbar?

Vor 7 Monaten haben wir offiziell gegründet und sind Mitglied im Accelerator-Programm von Telefonica. Außerdem sind wir in verschiedenen anderen Pilotprojekten und Programmen tätig. Zum Beispiel haben wir ein LEV2MG (Light-EV 2 Minigrid) Pilotprojekt in Bangladesch in Zusammenarbeit mit SOLShare, das 18 Mikronetze im ganzen Land besitzt und betreibt. Wir sehen ein großes Potenzial in Schwellenländern, um unsere Technologie zu validieren, unsere KI zu trainieren und kommerzielle Strategien zu testen. Wir arbeiten auch an einem neuen Piloten in Uganda, um die Batteriewechselstationen für E-Motorräder zu überwachen und zu optimieren.

Unser aktueller Fokus liegt auf dem Einsatz unseres MVP im kommerziellen Umfeld und der Einbindung unserer Kundenpipeline durch Analytics for Insights, die Daten und Optimierungsdienste bereitstellt.

Wir befinden uns jetzt in einer Seed-Finanzierungsrunde und suchen nach Angel-Investoren, öffentlichen Mitteln und Zuschussmitteln, um zu unseren ersten Einnahmen zu kommen.

Anne-Lise, leider sind wir nun schon am Ende des Interviews angekommen. Vielen Dank für die spannenden Einblicke in eure Idee. Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg! Wer mehr über euch erfahren will, kann auf eurem Innoloft Profil und den entsprechenden Requests nachschauen.