inveox ist das Startup der Woche 8: Pathologie neu durchdacht


Health & FoodTech

Jeder zweite Mensch wird im Laufe seines Lebens mit einer Krebsdiagnose konfrontiert. Jede Krebsdiagnose sollte daher schnell, sicher und zuverlässig erfolgen. Um die Sicherheit und Zuverlässigkeit zu erhöhen, brauchen wir ein Automatisierungssystem für die Histopathologie. Dieses System kommt von inveox, unserem Startup der Woche. Was dahinter steckt und wie es funktioniert, hat uns Shelley Pascual, Communications Specialist von inveox im Interview erzählt.

Hey Shelley! Super, dass du heute Zeit für uns hast. Bei inveox geht es vor allem um den Bereich der Krebsdiagnose. Wie optimiert ihr die Vorgänge in dem Bereich?

inveox bringt künstliche Intelligenz und ein großes Datenpotenzial in die Krebsdiagnose ein, indem es den präanalytischen Prozess automatisiert und so die Fehlerquote verringert. Fehler können zum Beispiel durch Probenverwechslungen oder Datenverlust auftreten. Gleichzeitig verbessert sich die Patientensicherheit und die Effizienz des Labors.

Wie helfen eure Produkte bei der Automatisierung des Prozesses?

Die Forschung zeigt, dass Gewebeproben (Biopsien) in den heutigen Labors mit einer Wahrscheinlichkeit von 1-15 Prozent verwechselt oder kontaminiert werden können oder sogar verloren gehen. Aber unsere Produkte – ein intelligenter Probenbehälter, ein Automatisierungsgerät und eine digitale Datenplattform – sind so konzipiert, dass sie als zusammenhängende Einheit arbeiten. Die Probeneingabe in der Histopathologie macht das sicherer, effizienter und zuverlässiger.

Mit Hilfe eines QR-Codes bieten unsere intelligenten Probenbehälter Sicherheit, indem sie dafür sorgen, dass Verwechslungen und Kontaminationen von Gewebeproben der Vergangenheit angehören. Der Behälter verfügt auch über einen intelligenten Filter, der eine automatische Montage in Biopsiekassetten ermöglicht. Auf diese Weise bleibt die Probe immer in einem Behälter, und die eindeutige ID erleichtert den Datentransfer, Track & Trace und die Prozesssteuerung.

Ein ergänzendes Produkt, das Automatisierungsgerät, steigert den Durchsatz und die Qualität von Gewebeproben.- Es verarbeitet Dutzende von Proben gleichzeitig und auf konsistente, systematische Weise. Dadurch kann sich der Labortechniker auf wertschöpfende Aufgaben konzentrieren statt sich mit der wiederholten Datenerfassung und dem Umpackvorgang zu beschäftigen. Noch wichtiger ist, dass unser Automatisierungsgerät künstliche Intelligenz einführt und Daten über jede einzelne Gewebeprobe sammelt. Derzeit werden die Daten entweder nicht aufgezeichnet oder in Papier und Kartons weggelagert statt für die wissenschaftliche Forschung gesammelt.

Schließlich öffnet unsere digitale Plattform die Tür zu einem neuen und wirklich vernetzten Labor der Zukunft. Sie ermöglicht eine nahtlose Kommunikation zwischen dem Arzt, der die Biopsie entnimmt, dem Laboranten, dem Pathologen, unserem Behälter und unseren Maschinen. Kurz gesagt: Diese Plattform ermöglicht es uns, die gesamte diagnostische Erfahrung zu integrieren – von der Entnahme einer Gewebeprobe bis hin zur Abgabe einer Diagnose.

Krebs betrifft Menschen auf der ganzen Welt. Die potentielle Fehlerquote zu verringern ist ein großes Ziel. Ist euer Ansatz besser als der von Anderen? Was zeichnet eure Idee besonders aus?

Es besteht nicht nur weltweit ein enormer Bedarf an unserer Innovation, sondern es gibt auch keine direkte Konkurrenz zu inveox. Die einzige Alternative ist der Labormitarbeiter mit Stift und Papier. Dieser seit Jahrzehnten von Laboranten durchgeführte manuelle Prozess versäumt das Potenzial zur Datenerfassung und -verwertung. Er erfordert auch, dass die Techniker bei monotonen Aufgaben, die von Maschinen ausgeführt werden können, aufmerksam und sehr konzentriert bleiben müssen.

inveox löst das größte Problem in der Histopathologie mit der Einführung des weltweit ersten Automatisierungssystems für die Probeneingabe. Dafür besitzen wir die  entsprechenden Schutzrechte. Wir sind die ersten, die Hardware und Software kombiniert einsetzen und sie für die Zukunft so konzipiert haben, dass sie Daten sammeln und austauschen können. Auf diese Weise können sie für die medizinische Forschung und weitere Prozessoptimierung genutzt werden. Mit dieser Innovation sind wir die ersten auf dem Markt und stützen uns auf eine solide Basis von Investoren und Kunden, die an unsere Sache und den Wert unserer Lösung glauben.

Was nutzt ihr für ein Geschäftsmodell?

Unser komponentenbasiertes Produkt und eine modulare Vertragsstruktur ermöglichen es uns, allen Laboratorien (unabhängig von Größe und Durchsatz) Dienstleistungspakete anzubieten, die auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Diese Pakete sind  jederzeit flexibel und skalierbar. Sie bestehen aus Hardware als Service, Software als Service, und Verbrauchsmaterialien in verschiedenen Packungsgrößen.

Da euer Produkt für Histopathologie gedacht ist, sind wahrscheinlich die entsprechenden Labore eure Hauptzielgruppe, oder? In wie vielen Ländern vertreibt ihr euer Produkt bereits?

Genau! Unsere Kunden sind private und öffentliche Histopathologie-Labore, die zu Krankenhäusern, Laborketten oder Forschungsinstituten gehören können. Derzeit sind wir vor allem in der DACH-Region tätig, mit dem Ziel, in weitere EU-Länder zu expandieren.

Allein der europäische Markt besteht aus 6.500 Labors, die jedes Jahr 1 Milliarde Gewebeproben verarbeiten. Das ergibt ein Marktpotential von insgesamt 2 Milliarden Euro pro Jahr. Wir streben auch den US-Markt an, der 9.000 Labore umfasst, die 2 Milliarden Proben pro Jahr verarbeiten. Das führt zu einem Marktpotential  von 4 Milliarden Euro pro Jahr. Auf dem globalen Markt beträgt das Potenzial mehr als 13 Milliarden Euro pro Jahr.

Wie weit ist euer Produkt entwickelt? Wird es bereits erfolgreich genutzt?

Ja. Wenn man bedenkt, dass unser Unternehmen vor drei Jahren gegründet wurde, kann der aktuelle Stand unserer Produktentwicklung als recht fortschrittlich angesehen werden. Unsere Produkte werden seitdem von namhaften Kunden erfolgreich und mit hoher Zufriedenheit eingesetzt. Im August 2019 schlossen wir eine Finanzierungsrunde von 17 Millionen Euro ab, womit wir auf insgesamt 23 Millionen Euro kommen. Sie  ermöglichen es uns, unser Team weiter zu vergrößern, global zu skalieren und unsere Software zu erweitern. Derzeit sind wir ein Team von fast 100 Teamkollegen, das aus etwa 30 Nationalitäten besteht und sich über die Büros in München und Krakau verteilt.

Shelley, dankeschön für diesen super spannenden Einblick in die Welt von inveox! Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg und sind gespannt, wohin ihr euch entwickelt. Wer mehr über inveox erfahren will, kann in den Requests auf eurem Innoloft Profil nachschauen.