Sourc-e GmbH ist das Startup der Woche 44: Druckeinkauf optimieren


IT & IKT

Druckerzeugnisse in Auftrag geben ist oft eine mühselige Angelegenheit. Nicht nur beim Endkunden, sondern auch bei den Druckereien. Dafür gibt es jetzt eine Lösung, die für beide Seiten viele Vorteile bietet. Unser Startup der Woche sourc-e digitalisiert Prozesse im Bereich der Druckerzeugnisse. Lucas Scherer erklärt uns im Interview, wie genau sourc-e den Druckeinkauf optimiert.

Hallo Lucas! Danke, dass du heute unsere Fragen beantwortest. Lass uns doch direkt mit der ersten Frage beginnen. Wer seid ihr bei sourc-e?

sourc-e bietet eine Plattform, die den Einkauf von individuellen Druckprodukten digitalisiert und Druckkalkulation in Sekunden möglich macht, damit für Druckereien als auch für Einkäufer Prozesse einfacher und effizienter werden.

Nutzt ihr dafür einen Algorithmus? 

Genau! Wir digitalisieren den Drucksacheneinkaufsprozess mit einem einzigartigen Algorithmus. Grundlage für die intelligente Berechnung sind Maschinendaten und damit verbundene Kostensätze von Hochleistungsdruckereien.

Welche Vorteile bietet sourc-e?

Sourc-e bildet den strategischen und operativen Einkaufsprozess von der Ausschreibung bis zur Druckproduktion auf einer Plattform ab. Sourc-e führt Einkäufer und Druckereien auf einer Plattform zusammen. Die Preisberechnungsdaten basieren auf aktuellen Maschinendaten, die automatisch mit den Druckanforderungen des Kunden abgeglichen werden. Die Preise werden innerhalb von Sekunden berechnet. Kunden können ihre eigenen Drucker in das System integrieren und aktiv Preisbenchmarks für Ausschreibungen beeinflussen. Für Druckereien und Einkäufer von Druckprodukten vereinfacht und rationalisiert dies die Prozesse bei der Ausschreibung und Abwicklung von Druckaufträgen. Als Technologielieferant stellt sourc-e den Unternehmen neben der Kalkulationslösung auch verschiedene Shopsysteme zur Verfügung, die individuell nach den Anforderungen des Kunden gestaltet werden können. Ganz gleich, welche Lösung der Kunde wünscht, der Ausschreibungsprozess wird effizienter und einfacher.

Für Druckereien ergeben sich neue Umsatzpotenziale, da der Beschaffungsprozess durch die sourc-e Plattform abgedeckt wird und alle technologischen Rahmendaten hinterlegt sind.  Sourc-e führt Angebot und Nachfrage zusammen, so dass alle Beteiligten Zeit, Geld und Ressourcen sparen.  Dabei setzt sourc-e nicht nur Technologie ein, sondern stellt den Kunden auch Experten zur Verfügung, die über umfangreiches Know-how in der Druckindustrie verfügen. Auf diese Weise erhalten die Kunden von sourc-e die bestmögliche Beratung in allen Belangen.

Wie generiert ihr dadurch Umsätze?

Für die Nutzung der Print-Intelligence-Plattform und der daran angedockten individuellen Shop-Lösungen von sourc-e wird grundsätzlich eine Lizenzgebühr erhoben. Darüber hinaus können auch komplette Aufträge direkt von den Spezialisten von sourc-e bearbeitet werden. Für diese direkte Printbeschaffung erhebt sourc-e eine Bearbeitungsgebühr.

Gerade hast du schon ein paar potenzielle Kunden, wie beispielsweise Druckereien genannt. Welche Marktsegmente adressiert ihr denn genau?

Wir wenden uns sowohl an Anbieter als auch an Abnehmer von Druckerzeugnissen in mittelständischen Unternehmen, die ihre Druckerzeugnisse schnell und effizient produzieren lassen wollen, ohne lange Ausschreibungsverfahren durchlaufen zu müssen. Das Thema Internationalisierung steht auf der Agenda und soll auf der Plattformseite weiter ausgebaut und ausgerollt werden.

Ist eure Plattform schon nutzbar?

Ja. Mit cloudbasierten Softwarelösungen wie der Print Intelligence Plattform hat sourc-e ein effizientes Einkaufs- und Distributionstool auf den Markt gebracht, das sowohl von Unternehmen wie Vaillant und Dunlop als auch von Verlagen und Druckereien effizient genutzt wird.

 

Lucas, damit sind wir schon am Ende unsere Interviews angelangt. Vielen Dank, für diese spannenden Insights. Wir wünschen euch natürlich weiterhin viel Erfolg für die Zukunft.

Wer mehr über sourc-e erfahren möchte, kann sich auf dem entsprechenden Innoloft Profil umschauen.

SNAP GmbH ist das Startup der Woche 43: Gehirn und Technik verbinden


Health & FoodTech, IT & IKT

Technische Systeme mithilfe der Gedanken ansteuern – das klingt für viele noch nach Science Fiction. Allerdings ist das schon Realität. Unser Startup der Woche SNAP GmbH entwickelt Produkte und Dienstleistungen genau in dem Bereich: der Schnittstelle zwischen menschlichem Gehirn zu technischen Systemen. Wie genau das funktioniert und was die SNAP GmbH zur Entwicklung beiträgt, hat uns Sinah Grube von SNAP GmbH im Interview erklärt.


Hallo Sinah! Danke, dass du heute Zeit für uns hast. Stell uns doch SNAP GmbH mal kurz vor.

Wir bei der SNAP GmbH, mit Sitz im BioMedizinZentrum in Bochum, konzentrieren uns als Technologieunternehmen der Zukunft auf die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen in den Bereichen: Brain-Computer-Interface (BCI-Systeme), künstliche Intelligenz (KI-Systeme), Hosting von Daten, technische Assistenzsysteme und auf die Bewegungsanalyse.

Eure Vision liegt im Bereich der Gehirn-Computer-Interfaces. Wie funktioniert das?

Das BCI ist eine Schnittstelle von dem menschlichen Gehirn zu einem technischen System, wie z.B. einem Computer oder einem Handy. Bei der Elektroenzephalografie (EEG) werden auf der Kopfhaut Elektroden angebracht, um die Aktivitäten des Gehirns aufzuzeichnen. Die gewonnen neurologischen Daten können genutzt werden, um durch die reinen Gedanken des Menschen, technische Systeme im Umfeld anzusteuern. Die Einsatzmöglichkeiten sind immens und bieten ein sehr großes Potenzial für die Zukunft (z.B. von der Unterhaltungsindustrie bis hin zum Gesundheitswesen). Derzeit sind wir in dem Bereich ebenfalls in zwei Förderprojekten beteiligt, VAFES und ReXo, die von dem Land NRW und der europäischen Union gefördert werden.

Bei ReXo wird z.B. ein biomechanisch konzipiertes, adaptives Exoskelett für die oberen Extremitäten entwickelt, wobei SNAP eine Steuerung für das Rexoskelett über das Gehirn ermöglicht. Um unser Ziel zu verfolgen, eine sehr gut funktionierende KI-Lösung für ein BCI zu trainieren, haben wir uns von Beginn an seitens der SNAP GmbH dazu entschlossen kinematische Daten für verschiedenste Anwendungsfelder mit auszuwerten. Somit sind wir nicht nur KI-Spezialist im Bereich der neurologischen Daten, sondern auch in der Auswertung von kinematischen Daten. Ein Beispiel für eine von uns entwickelte KI-Lösung ist unser KI-basiertes Bewegungserkennungssystem, das wir AnaKin (analytische Kinetik), nennen. Zur Bewegungsanalyse haben wir hausintern eigene Sensoren entwickelt, die zur Datenaufnahme am Körper befestigt werden.

Das AnaKin erfasst die Bewegungen des Trägers und merkt sich bestimmte Bewegungen. Selbstverständlich ist der Erwerb unserer eigenen tragbaren Sensoren möglich, sodass die Bewegungsdaten kundenindividuell mit dem AnaKin eintrainiert werden können. Die trainierte KI kann erkennen, ob z.B. eine Bewegung korrekt ausgeführt wurde oder nicht. Auf Kundenwunsch bietet die SNAP GmbH als Dienstleister auch die Mustererkennungen und Bewegungsanalyse auf KI-Basis von bereits bestehenden Datensätze an, die mit externen Sensoren aufgenommen wurden. Neben dem Bewegungstracking besteht auch die Möglichkeit, der reinen Gestensteuerung mit unseren Sensoren. Lediglich mit einem Armband, das mit unseren beschriebenen Sensoren ausgestattet ist, wird die Gestensteuerung zur Realität. Hiermit können sowohl Smartphones, Spiele, Tablets, Drohnen durch ein einziges Wischen mit der Hand in der Luft angesteuert werden.  

Das ist wirklich ein spannendes Themenfeld. Was lässt euch von euren Konkurrenten abheben?

Tatsächlich gibt es nur sehr wenige Firmen in Deutschland, die BCI-Systeme entwickeln, sodass wir hier als Unternehmen schon äußerst interessant für externe Partner und Investoren sind. Zudem kommt hinzu, dass wir neurologische Daten mit kinematischen Daten synchron aufnehmen und analysieren. Diese Kombination ist ebenfalls nicht immer üblich. 

Unsere Bewegungsanalyse mit unseren selbst entwickelten Sensoren bietet dem Nutzer einen erheblichen Mehrwert, da die Daten mit Hilfe eines Inertialsensors und damit drahtlos übertragen werden. Folglich ist eine mobile Nutzung auch außerhalb eines Labors möglich. Die Sensoren können einfach mit Bändern am Körper beliebig befestigt werden. Über eine App werden die Daten final eingesammelt und analysiert. Zudem ist ein USP bei der Bewegungsanalyse die Anbindung an unsere individuelle KI-Lösung. Im Hinblick auf unsere digitales Assistenzsystem lässt sich sagen, dass wir hier die Besonderheit aufweisen, dass unsere Therapieplattform in der telemedizinischen Betreuung eingesetzt wird. So können z.B. Ärzte und Physiotherapeuten den Bewegungsverlauf und die Trainingsdaten einsehen. 

Der Trend hin zu Videosprechstunden wird auch durch die aktuelle Covid-19 Situation mehr und mehr zunehmen. Digitale und KI-basierte Assistenzsysteme werden hier eine optimale Basis stellen. Ein sehr nennenswerter Punkt ist natürlich der, dass sowohl alle neurologischen als auch kinematischen Daten in Bochum gespeichert und DSGVO-konform verarbeitet werden.

Neben unseren Produkten und unseren Dienstleistungen sind zudem die Menschen hinter den Kulissen bei der SNAP einzigartig. Wir sind ein interkulturelles, junges, dynamisches Team, das jeden Tag mit einer großen technischen Leidenschaft daran arbeitet Technologie zu erfinden, die unsere Fähigkeiten, unsere Gemeinschaft und unsere Welt erweitern.

Wie integriert ihr eure Lösungen in ein erfolgreiches Geschäftsmodell?

Im Bereich des Brain-Computer-Interfaces erhalten wir viele interessante und individuelle Anfragen für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder. Bei spezifischen Anfragen arbeiten wir im Rahmen von Entwicklungsaufträgen zusammen. Zudem werden wir im Bereich BCI (Gehirn-Computer-Schnittstelle) aktuell innerhalb von zwei Förderprojekten, VAFES und REXO, von dem Land NRW und der europäischen Union gefördert.

Unser Geschäftsmodell für die Verarbeitung der kinematischen Daten sieht ähnlich wie bei unserem BCI aus. Der Kunde kann sich innerhalb des ersten Gesprächs zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden: 

  • Der Kunde erwirbt SNAPs eigens entwickelte Sensoren, die zur Datenaufnahme der Bewegungen benötigt werden. Anschließend wird kundenindividuell im Rahmen einer Dienstleistung eine KI-Lösung für die Bewegungsdaten mit unseren Sensoren eintrainiert. 
  • Der Kunde benötigt keine Sensoren, da bereits Datensätze von externen Sensoren vorhanden sind, sodass wir nur mittels des AnaKin eine KI für die vorhanden Bewegungsdaten individuell auf Kundenwunsch eintrainieren. 

Unser digitales Assistenzsystem, das IRhythmic, vermarkten wir als Trainingsgerät und ist auf dem Markt inklusive einer zugehörigen App über uns zu erwerben. 

Da unser Fokus auf der Gesundheitsbranche liegt, bieten wir zudem seitens der SNAP GmbH einen Präventionskurs zur Sturz- und Bewegungsprophylaxe an. Dieser Präventionskurs wird in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen fast vollständig bezahlt.

Ein wichtiger Hinweis an alle Investoren: Wir sind immer auf der Suche nach weiteren Investoren, da wir durch Venture Capital die Entwicklung des BCIs für den Konsumenten Markt enorm beschleunigen können.

Du hast eben erwähnt, dass ihr euch auf die Gesundheitsbranche fokussiert. Sind das die einzigen potentiellen Kunden, die ihr adressiert?

Wir sprechen mit unseren Produkten und Dienstleistungen eine sehr große Zielgruppe an. Unser Fokus liegt in der gesamten Gesundheitsbranche sowie in der Spieleindustrie. Im Gesundheitswesen können wir einen grandiosen Mehrwehrt im Bereich der Prävention als auch Rehabilitation bieten. In der Spielindustrie werden wiederum z.B. Interaktionen mit Computerspielen ermöglicht. Derzeit fassen wir auf dem deutschen Markt Fuß. Für die Zukunft können und wollen wir eine internationale Vermarktung nicht ausschließen.

In welcher Entwicklungsphase befindet ihr euch aktuell? Und wo soll es einmal hingehen?

Sehr gute Frage – denn tatsächlich ist von jeder Entwicklungsphase bei uns etwas dabei. Unsere Vision ist und bleibt es, dass wir ein robustes, intuitiv bedienbares BCI-System entwickeln werden, das Kommandos aus dem Gehirn erkennt und umsetzt – eine Art „Siri“ für die Gedanken im Gehirn. Es erreichen uns aufgrund unserer Alleinstellungsmerkmale schon einige Anfragen für ein derartiges BCI-System. Bislang können wir mit dem BCI nur relativ einfache Kommandos verarbeiten und sind noch an den Rechner gebunden. Wir wollen präziser werden, so dass zum Beispiel ein querschnittsgelähmter Mensch seine Hand – oder seine Beine – mit Hilfe eines Exoskelettes möglichst natürlich bewegen kann. Als nächster Schritt kommt die Überführung der KI (für neurologische Daten) auf tragbare Geräte. Dahingegen haben wir unsere Sensoren zur Bewegungsanalyse mit dem Bewegungserkennungssystem, dem AnaKin, bereits erfolgreich auf dem Markt eingeführt.

Das Gleiche gilt für unsere digitales Assistenzsystem – dem IRhythmic. Hier stehen wir in einem guten Austausch mit Krankenversicherungen sowie das Trainingsgerät sowohl beim Endkunden als auch in Krankenhäusern und bei Physiotherapeuten Anwendung findet. Auch unser zertifizierter Präventionskurs wird bereits Online erfolgreich durchgeführt. Unsere Förderprojekte, ReXo und VAFES, sind Anfang des Jahres gut angelaufen und wir liegen hier mit unseren Kooperationspartnern im zeitlichen Plan und halten somit Kurs.

Sinah, vielen Dank für das spannende Interview. Wir werden eure Entwicklungen auf jeden Fall weiter verfolgen und wünschen euch weiterhin viel Erfolg!

Wer mehr über SNAP GmbH erfahren möchte, kann sich auf ihrem Innoloft Profil informieren.

Healex ist das Startup der Woche 42: Medizinische Forschung und Behandlung vernetzen


Health & FoodTech, IT & IKT

Aktuell hat der medizinische Bereich ein großes Informationsmanagement-Problem. Dies ist durch die Zunahme an Wissen in seinem Umfang, aber auch im Detailgrad entstanden. Die Folge sind Verzögerungen in der Übertragung von Forschungsergebnissen zu wirkungsvollen Therapien und massive Kostensteigerungen durch gestiegenen Aufwand. Es muss also dringend eine Lösung her. Unser Startup der Woche, Healex hat einen spannenden Ansatz entwickelt, der vielen Stakeholdern im Gesundheitssektor helfen kann. Wir haben Christoph Plamper von Healex zum Interview getroffen.

Hallo Christoph! Danke, dass du dir heute für uns Zeit nehmen konntest. Erkläre doch mal kurz, was Healex eigentlich ist.

Healex ist ein Software- und Beratungsunternehmen aus Köln und Berlin, das Produkte und Lösungen zur effizienten Planung, Steuerung und Beschleunigung klinischer Studien, zur Therapieberatung in der Patientenversorgung und zum Management von großen Mengen klinischer und Gesundheitsdaten entwickelt.

Dazu habt ihr eine eigene Plattform entwickelt, richtig? Was ist das Ziel der Plattform?

Genau. Das »Healex Site Management System« (SMS) bringt Sponsor*innen, Forscher*innen und Prüfärzt*innen auf einer innovativen Plattform zusammen und ermöglicht die standortübergreifende Planung, Durchführung und Kollaboration in klinischen Studien. Damit werden klinische Studien deutlich beschleunigt und digital verwaltet. Durch die Unterstützung von internationalen Medizindaten-Standards wie »FHIR« und dem »Healex Clinical Hub«, eine FHIR-basierte Plattform für strukturierte klinische Daten, lassen sich das »Healex Site Management System« (SMS) und unsere anderen Lösungen nahtlos in bestehende Krankenhaussysteme und Forschungs-Infrastrukturen einbinden und ermöglichen die einfache Integration und Nutzung strukturierter klinischer Daten für die Forschung und Versorgung.

Was ist das Besondere bei diesem Ansatz?

Wir bringen Sponsor*innen aus der Pharma, Klinika, Forschungsnetzwerke, Forscher*innen und Prüfärzt*innen auf unseren Plattformen zusammen und stellen starke Kollaborationswerkzeuge und Lösungen für die Strukturierung klinischer Daten bereit. Beides sorgt dafür, dass personalisierte Therapien schneller, datengetriebener und somit langfristig kostengünstiger entwickelt werden können.

Vertreibt ihr nur euer Healex Sitemanagement System?

Nein. Wir entwickeln und verkaufen auch andere IT-Lösungen im B2B-Gesundheitsmarkt, hauptsächlich unsere eigenen, aber auch Partnerlösungen, in der Regel über mehrjährige Lizenzverträge, sowohl SaaS als auch On-Premise-Lösungen. Dabei konzentrieren wir uns sowohl auf Plattformmodelle als auch auf Produktfamilien und Einzelprodukte. Grob gesagt haben wir unser Produkt- und Geschäftsmodell in zwei Ebenen unterteilt: Unsere Kernprodukte richten sich in erster Linie an große Krankenhäuser, Pharma- und Forschungsorganisationen und sind vernetzte Infrastrukturlösungen. Unsere Corona-Web-Tools sind flexible Web-Lösungen, die in vielen Branchen eingesetzt werden können. Der Kern unseres Geschäftsmodells besteht darin, dass fast alle unsere Lösungen unabhängig voneinander, aber auch vernetzt und gemeinsam genutzt werden können. Das Geschäftsmodell besteht aus 70% Produktvertrieb und -entwicklung und ca. 30% Beratung. Neben unseren Kernprodukten bieten wir keine weiteren Dienstleistungen an.

Wer fällt in eure Zielgruppe?

Unsere Zielgruppen sind überwiegend große Unikliniken und Forschungsnetzwerke, aber auch viele Krankenhäuser, Pharmaunternehmen und Krankenversicherungen.

Was sind eure Erfolge, auf die ihr gerne zurückblickt?

Seit mehr als zwölf Jahren unterstützen wir Forschungsgruppen und Ärzte bei der Integration von klinischer Versorgung und Forschung. Durch unsere enge Zusammenarbeit mit einem der größten Universitätskliniken Deutschlands, an dem intensive Forschungsaktivitäten mit Zentren in Europa und den USA durchgeführt werden, verfügen wir über große Erfahrung und bewährte Lösungen für kritische Prozesse und Probleme in der klinischen Forschung und Versorgung. Für viele dieser Herausforderungen haben wir bereits Lösungen geliefert, die tagtäglich von Tausenden von Forschern und Ärzten in zahlreichen multinationalen klinischen Studien eingesetzt werden.

Christoph, damit sind wir leider auch schon am Ende unseres Interviews angekommen. Vielen Dank für das spannende Gespräch! Wir wünschen euch weiterhin noch viel Erfolg und werden eure Entwicklungen auf jeden Fall weiter verfolgen.

Wer mehr über Healex erfahren möchte, kann sich auf dem entsprechenden Innoloft Profil umschauen.

Semasquare ist das Startup der Woche 41: Fahrzeugcockpits digitalisieren


Industrie 4.0 & Logistik, IT & IKT

Einfache Handhabung, Automatisierung von Funktionen und  geringer Installationsaufwand – für Fahrzeugcockpits in Nutz- und Sonderfahrzeugen ist das wünschenswert, aber oft nicht gegeben. Unser Startup der Woche semasquare GmbH hat diese Lücke erkannt und neue Ansätze entwickelt, um Fahrzeugkockpits intiutiver und effizienter zu machen. Heute haben wir mit Moritz Koch, Sales Business Development Manager über ihre Lösung gesprochen.

Hallo Moritz! Danke, dass du dir heute die Zeit nimmst! Erkläre unseren Lesern doch kurz, was semasquare macht.

Wir bei semasquare bieten HMI- und Softwareengineering für Nutz- und Sonderfahrzeuge.

Was beinhalten eure Lösungen konkret?

Die semasquare GmbH bietet Expertise über Hard- und Software bis hin zur Cloud. Dabei arbeiten wir agil und können so iterativ über erste Mockups mittels Rapid Prototyping mit Kunden das perfekte Bedienkonzept für den jeweiligen Einsatzbereich entwickeln. Nach Festlegung des Bedienkonzepts wählen wir zusammen mit dem Kunden passende Hardwarekomponenten aus und entwickelt die Software nach seinen Vorstellungen. Mit unserer Erfahrung in den Bereichen UI/UX werden Designentscheidungen kritisch diskutiert, um das Benutzererlebnis für den Endanwender zu optimieren.

Wie unterscheidet sich euer Ansatz von dem anderer Anbieter?

Bisherige Konzepte zur Bedienung von Nutzfahrzeugen setzen oft noch auf physikalische Eingabeelemente wie Taster und Schalter, die die Fahrzeugfunktionen nur wenig automatisieren. Dadurch lässt sich die Komplexität der Fahrzeuge nur schwer abbilden. Dienstleister bieten meist nur die Entwicklung einer modernen Benutzeroberfläche an. Das Wissen zur Einbindung in eine Cloud und damit die Ausschöpfung der vollen Potenziale, fehlt aber bisher.

Ihr entwickelt also individuelle Konzepte und setzt diese auch direkt um, richtig?

Das stimmt. Wir bieten individuelle Ingenieurdienstleistungen für Nutzfahrzeughersteller an, um die Bedienung der Fahrzeuge für den Einsatzbereich passend intuitiv zu gestalten und die komplexen Aufgaben beherrschbar zu machen. Des Weiteren ermöglicht semasquare das Übertragen der anfallenden Daten an Server bzw. die Cloud. Wir helfen so unseren Kunden neue innovative, datenbasierte Geschäftsmodelle zu entwickeln und umzusetzen. Ein weiteres Projekt, welches angepasst auf die Covid-19 Situation entstand, ist ein Rätselbot welchen Escape Rooms oder andere Anbieter von Erlebnissen nutzen können, um individuelle Touren zu erstellen und anzubieten.

Hat sich da eine neue Zielgruppe für euch entwickelt? Oder adressiert ihr stets noch die Sonderfahrzeug-Branche?

Bisher ja. Unsere bisherigen Kunden sind Hersteller von Nutz- und Sonderfahrzeugen mit komplexen Aufbauten aus den Bereichen Straßenkehrer/Kanalreiniger. Darüber hinaus sind viele weitere Einsatzzwecke wie Abfallsammelfahrzeuge, Bohrfahrzeuge und Feuerwehrfahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr interessant. Außerdem sind Nutzfahrzeuge, die nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen sind, wie Baumaschinen, Baustellen-, Forstwirtschafts- und Landwirtschaftsfahrzeuge interessant. Neben den Herstellern von Nutzfahrzeugen sind auch Nutzer, Vermittler, Verleiher und Nutzfahrzeuge einsetzende Dienstleister interessante Kundengruppen.

Ihr seid schon im Markt vertreten. Wie sehen eure nächsten Schritte aus?

Ja, der Markteintritt ist bereits mit einem Pilotprojekt erfolgt. Ein zweiter Kunde steht kurz vor der Beauftragung. Um den Einstieg bei diesen Kunden zu vereinfachen, boten wir im ersten Schritt eine Dienstleistung zur Entwicklung einer HMI an. 

Zusätzlich zur Kaltakquise nutzen wir das bereits vorhandene Netzwerk über die Genossenschaft visibleRuhr, die Bochum Wirtschaftsentwicklung, das Hochschul- und Unternehmensnetzwerk ruhrvalley und weiteren befreundeten Unternehmen. Nach der Fertigstellung der Pilotprojekte wollen wir  basierend auf den Erfahrungen der Pilotprojekte Plattformen für HMI und Cloud entwickeln, die die Bearbeitung weiterer Projekte beschleunigen. Basierend auf der Entwicklung soll die Dienstleistung langsam auch zu Produkten überführt werden. Die Nutzung der Cloud erfolgt in der Zukunft über Lizenzen. Damit wird die Cloud ein skalierbares Produkt. Basierend auf der HMI-Plattform wollen wir weiterhin Dienstleistungen anbieten. Die aktuell bestehenden Partnerschaften wollen wir außerdem noch weiter ausbauen.

Wir werden darüber hinaus mit dem Institut für Elektromobilität der Hochschule Bochum und weiteren Partnern Innovationen und Fortschritte im Bereich der Elektromobilität für Nutzfahrzeuge fördern. Zusätzlich zu den Referenzen der Pilotprojekte untermauern wir so unsere Innovationskraft. Wir kompensieren das steigende Arbeitsaufkommen durch die Einstellung von weiteren Vollzeitmitarbeitern und Werkstudenten. Unser übergeordnetes Ziel ist die Diversifizierung der Kunden. So möchten wir sicherstellen, dass ein Kunde maximal 30% des Gesamtumsatzes ausmacht.

Moritz, vielen Dank für das spannende Interview! Wir wünschen euch weiterhin noch viel Erfolg mit euren Zielen. Wir hoffen, noch viel von euch zu hören.

Wer mehr über semasquare erfahren möchte, kann sich auf dem entsprechenden Innoloft Profil umschauen.

node.energy ist das Startup der Woche 38: Dezentrale Energiesysteme optimal planen & managen


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Die Hardware für die Energiewende ist vorhanden. Es existiert eine breite Palette an technischen Lösungen. Nur erschweren sich beständig ändernde Gesetze, Regeln und Vorschriften eine Marktdurchdringung dezentraler Energiekonzepte. Damit sich erneuerbare Energielösungen auch ohne Fördermittel rechnen, hat unser Startup der Woche Software und Services für dezentrale Energiesysteme entwickelt. Sie vereinfachen nicht nur die Planung und das Management dezentraler Energieskonzepte, sondern bieten gleichzeitig ein neues Geschäftsmodell für Energieversorger und Energiedienstleister. Wie diese dank der Software zum digitalen Komplettanbieter für dezentrale Energielösungen werden und von diesen profitieren können, erzählt uns im Interview Matthias Karger, Geschäftsführer der node.energy GmbH.

Hallo Matthias. Schön, dass du uns heute ein paar Einblicke in euer Startup node.energy gibst. Kannst du kurz in einem Satz zusammenfassen, was eure Mission ist?

Gerne. Wir haben eine Softwarelösung entwickelt, mit der Energieversorger (EVUs) die steigende Eigenerzeugung bei Gewerbekunden als eigene Geschäftschance nutzen können.

Das klingt interessant. Wie können wir uns das konkret vorstellen? Kannst du etwas mehr darüber erzählen?

Mit node.energy haben wir ein spezielles Software- und Dienstleistungsangebot entwickelt, mit dem sich EVUs schnell und kostengünstig als digitaler Full-Service Dienstleister für Ihre Gewerbekunden aufstellen können. Mit Hilfe der Software-as-a-Service Lösung opti.node können EVUs auf Basis von wenigen, meist bekannten Kundendaten Ihren Gewerbekunden in wenigen Minuten den individuell idealen Mix aus Eigenerzeugung und Netzbezug empfehlen. Durch diesen proaktiven Ansatz positioniert sich das EVU als erster Ansprechpartner für die Planung und Umsetzung der vorgeschlagenen Lösungen und Dienstleistungen. Durch das anschließende digitale Management der Energiekonzepte, sowie durch die Reststrombelieferung und Überschussvermarktung können dauerhafte und profitable Kundenbeziehungen aufgebaut werden. opti.node kann eine Vielzahl von Erzeugern und Verbrauchern, sowie Speicher und E-Mobilty Infrastruktur berücksichtigen. Dabei werden sämtliche regulatorische Wechselwirkungen, wie Umlagen und Steuern in die Optimierung der Energiekosten mit einbezogen. Damit können EVUs Ihren Kunden jeweils die günstigsten Energiekosten sicherstellen.

Verstehe. Ihr generiert für EVUs und Energiedienstleister Mehrwert, indem ihr ihnen eine Software-Lösung offeriert, die auf dezentralen Eigenstrom Konzepten basiert und die ihnen neue Umsätze verschafft. Woraus setzen sich die Umsätze zusammen?

Richtig. Mit unserer Software-as-a-Service Lösung können auch komplexe dezentrale Eigenstrom Konzepte in Minuten geplant und gemanagt werden. Somit können EVUs die wachsende Eigenversorgung ihrer Industrie und Gewerbekunden als eigene Geschäftschance nutzen. Neues Umsatzpotential entsteht durch die Planung, Bau und Implementierung von Eigenstrom Konzepten. Zusätzlich kann durch die Betriebsführung, sowie durch das automatische erfüllen von Melde- und Betreiberpflichten via opti.node eine kontinuierliche Management Fee etabliert werden. Berücksichtigt werden z.B. atypische Netznutzung, oder EEG Mengenabgrenzungen und Meldungen, sowie sämtliche E-Mobility Betreiberpflichten. Abgerundet wird das Konzept durch die Reststrombelieferung und die Überschussvermarktung durch den EVU. Durch diesen idealen Mix aus Eigenversorgung und Reststrombelieferung entsteht ein hybrides Produkt mit hoher Kundenbindung.

Somit reduziert ihr mit eurer Software und dem Service Angebot nicht nur Komplexität und Bürokratieaufwand für Kunden, sondern ihr gebt EVUs ein Erlös-Modell an die Hand, welches auf neue Marktanforderungen zugeschnitten ist. Auf welche Weise generiert ihr selbst Einnahmen?

Wir bieten unser Produkt als Software-as-a-Service Modell an für das eine jährliche Nutzungsgebühr fällig ist. Im kontinuierlichen Management wird diese nur fällig, wenn tatsächlich neue Umsätze mit Kunden generiert werden.

Und an wen ist eure Lösung adressiert?

Wir adressieren die gesamte Wertschöpfungskette der dezentralen Energieerzeugung und automatisieren diese weitestgehend.

2016 habt ihr euch gegründet und sicher einige Zeit für die Entwicklung eurer opti.node Software verwendet. Seit wann gibt es die Lösung am Markt?

Unsere Software ist seit Anfang 2019 Markt und wird ständig auf Basis von neuen Kundenforderungen weiterentwickelt. Unsere Kunden profitieren also von einem ständig wachsenden Funktionsumfang.

Matthias, vielen Dank für die spannenden Einblicke in euer Startup und ganz viel Erfolg weiterhin. Wir werden eure Entwicklungen zum Thema dezentrale Energiesysteme weiterverfolgen. Wer das auch tun und mehr über eure SaaS-Lösung erfahren möchte, kann einen Blick in euer Innoloft Profil oder eure Innoloft Requests werfen. Wer Kontakt zu euch aufnehmen möchte, findet dort ebenso eure Kontaktinfos.

Breeze Technologies ist das Startup der Woche 35: Sensoren für die Luftqualität


Energie & Umwelt, Energieeffizienz & Umwelt, IT & IKT

In den letzten Monaten haben wir gesehen, welche positiven Auswirkungen der Lockdown auf unsere Umwelt hat. Der Smog hat sich verzogen, die Luft war vielerorts wieder klar. Allerdings messen viele Städte nur punktuell ihre Luftqualität, was große Lücken in den Daten lässt. Das soll sich jetzt ändern. Wir haben mit Robert Heinecke über sein Startup Breeze Technologies zu dieser Mission gesprochen.

Hallo Robert! Danke, dass du uns heute unsere Fragen beantwortest. Lass uns direkt loslegen: Was macht ihr bei Breeze Technologies?

Breeze Technologies liefert flächendeckende Luftqualitäts- und Klimadaten, generiert daraus Handlungsempfehlungen und hilft damit Städten und Unternehmen eine lebenswertere Umwelt zu schaffen.

Das klingt sehr spannend! Könntest du uns erläutern, wie das genau funktioniert?

Gerne! Wir entwickeln kleine und kostengünstige Luftqualitätssensoren, die alle gängigen Luftschadstoffe in Echtzeit erfassen, und sammeln die so gewonnenen Daten in einer zentralen Cloud. Daneben integrieren wir aber auch andere Datenquellen, zum Beispiel Satellitendaten, um ein möglichst genaues Abbild der Luftqualität in unseren Städten zu erzielen. Eine von uns entwickelte künstliche Intelligenz wertet diese Daten in Echtzeit aus und liefert optimale Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der lokalen Luftqualität. Diese speisen sich aus einem Katalog von über 3.500 Einzelmaßnahmen und reichen von photokatalytischem Asphalt im Straßenbau bis zur Verkehrssteuerung auf der Basis von Luftqualitätsdaten, wie sie zum Beispiel in der Stadt Köln als Pförtnerampeln erprobt wird.

Dadurch, dass ihr auch künstliche Intelligenz einsetzt, gibt euer System je nach Situation neue Empfehlungen, richtig?

Genau. Die Wirkung der implementierten Maßnahmen misst unser System wiederum ebenfalls und kann hierdurch in der Zukunft noch bessere Empfehlungen abgeben. Eine ähnliche Dienstleistung erbringen wir auch für Gebäudemanager, denen wir bei der Messung und Optimierung der Luftqualität in Büroumgebungen helfen. Unser System kann also sowohl drinnen als auch draußen eingesetzt werden.

Wie habt ihr euer Geschäftsmodell aufgebaut?

Wir vermieten unsere Sensoren an Unternehmen und Städte und nehmen hierfür eine jährlich anfallende Miet- und Wartungsgebühr. Zu den von uns empfohlenen Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität werden Dienstleister und Hersteller als Partner gewonnen, die ein Vermittlungsgebühr für über uns erzielte Umsätze zahlen.

Haltet ihr eure Zielgruppe da recht allgemein?

Ja. Wir adressieren vor allem HSE- und Facility-Manager in größeren Unternehmen und die kommunale Verwaltung. Die Branche, in der sich das Unternehmen befindet spielt vorerst keine Rolle.

Vor zwei Jahren habt ihr den Hamburger Gründerpreis gewonnen und auch sonst habt ihr schon spannende Projekte gestartet. Kannst du uns da einen kleinen Einblick geben?

Na klar. Mit renommierten Pilotkunden wie der Deutschen Telekom und Smart City-Projekten in Hamburg und Berlin konnten wir bereits viele Erfolge für uns verbuchen. Über eine Bürgerplattform stellen wir einen Teil der gesammelten Daten auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Unser Unternehmen wurde außerdem in zahlreichen nationalen und internationalen Wettbewerben als eines der vielversprechendsten europäischen Startups ausgezeichnet. Hierzu gehören zum Beispiel der Hamburger Gründerpreis, den du ja gerade schon genannt hast, die EU Top 50, eine Auszeichnung durch den Bundespräsidenten und die Aufnahme in die Forbes 30 Under 30-Liste für Sozialunternehmer.

Robert, vielen Dank für dieses spannende Interview! Wir wünschen euch weiterhin ganz viel Erfolg.
Wer mehr über Breeze Technologies erfahren möchte, kann sich auf ihrem Innoloft Profil über ihre Produkte und Gesuche informieren.

 

Hybrid Lidar Systems ist das Startup der Woche 34: Sensoring and Automotive


IT & IKT, Mobilität, Smart City & Buildings

Der Mobilitätssektor steht vor dem Umbruch, denn Mobilität wird gerade im Hinblick auf Sicherheit und Nachhaltigkeit neu definiert. Eine spannende Zeit, in der sich neue Lösungen entwickeln, die mit der neuesten Technik ausgestattet sind. Heute sprechen wir mit Ingo Diettele, CEO von Hybrid Lidar Systems. Das Startup der Woche hat spannende Lösungen entwickelt, um dem modernen Verkehrssystem gerecht zu werden.

Hallo Ingo! Schön, dass du heute da bist. Kannst du uns einen Einblick in das deutsche Verkehrssystem und die aktuellen Entwicklungen geben? Welche Rolle spielt ihr darin?

Die Bundesrepublik hat eines der weltweit dichtesten Straßen- und Eisenbahnnetze. Dabei sind (fahr-) sicherheitsrelevante Anforderungen jeglicher Mobilität wesentliche Betrachtungsfelder der tangierenden Branchen. Unter anderem nimmt die autonome Mobilität eine wichtige Rolle in aktuellen Diskussionen ein.

Mobilität und Sicherheit sind somit eine untrennbare Symbiose eingegangen. Sensoren, die Funktionen des menschlichen Auges und unseres Erfahrungswissens übernehmen sind unerlässlich, um autonomes Fahren grundlegend zu ermöglichen. Die Forschung konzentriert sich dabei zunehmend auf LiDAR (Light Detection and Ranging) Sensoren. Diese stehen noch vor dem Eintritt in den Massenmarkt, stellen jedoch aufgrund ihrer Eigenschaften eine potenzielle Lösung für das flächendeckende, Sicherheitsstandards entsprechende, vollautomatisierte Fahren dar.

Unser Projekt fokussiert die Forschung und (Weiter-) Entwicklung von LiDAR Sensoren sowie deren Applikationen und konzentriert sich dabei auf einen völlig neuen Ansatz. Ausschlaggebend war die Erfindung eines innovativen Messverfahrens. Damit wird die Datenerfassung mittels neuartiger digitaler Signalverarbeitungsalgorithmen mit einem sehr niedrigen Rechenaufwand umgesetzt.

Ein optimal für den Verkehr ausgerüstetes Fahrzeug hat unterschiedliche Anforderungen der Industrie zu erfüllen. Die derzeit verfügbare Spitzentechnologie bietet z. T. präzise und teure Lösungen. Wir stellen mit unserem Produkt LiSSA (LiDAR for Smart Sensing and Automotive) einen einzigartigen Ansatz vor, welcher die Anforderungen erfüllt und sogar übertrifft. Durch den geringen Rechenaufwand kann die Innovation zuverlässig kosteneffizient angeboten werden. Mit unserem Hybridverfahren sind neben einer hohen Auflösung (doppelte VGA) ein hohes Maß an Genauigkeit (<1 cm), eine garantierte Lasersicherheitsklasse 1 (augensicher), sowie eine Reichweite von mehr als 200 Metern möglich.

Durch die Kombination mehrerer neuartiger Ansätze wird eine bessere Objektklassifizierung ermöglicht, was für die Bewegung autonomer Fahrzeuge in einem dynamischen Umfeld einen entscheidenden Sicherheitsfaktor darstellt.

Wie funktionieren eure Sensoren genau?

Mit unserem LiSSA Automotive ist es möglich, ein hochauflösendes LiDAR-Bild zu erzeugen, um Objekte zu erkennen. Die verwendeten Softwarealgorithmen erlauben es, Parameter zu ändern die vorher fest im Chip verankert waren. Durch die Nutzung unseres Multiplexansatzes gelingt es, die nutzbare Chipfläche drastisch zu steigern und somit ein hochauflösendes Bild zu erzeugen. Zusätzlich arbeiten und wir derzeit an weiteren neuartigen Komponenten und können so zukünftig die Auflösung optimieren. Ziel ist es, jedes sich bewegende Objekt im Straßenverkehr mit unserer LiDAR Sensorik auszustatten, sodass wir den Verkehr auf eine neue Sicherheitsstufe heben können!

Die hochauflösenden Daten, die wir mithilfe unseres Sensors bereitstellen, stehen fahrzeugintern und -extern für eine Weiterverarbeitung zur Verfügung. Dabei sind LiDAR Sensoren für eine weitere Vernetzung des Fahrzeugs unabdingbar. Zudem ist eine Vielzahl von weiteren Anwendungsfeldern umsetzbar. Unter anderem in den Bereichen Logistik, consumer electronics (Smartphones/Tablets), augmented reality oder auch Windkraft und Drohnen: Überall dort wo eine Maschine „sehen“ können muss oder sollte, wird ein LiDAR Sensor benötigt.

Du hast schon viele Mehrwerte der LiDAR Sensorik dargestellt, kannst du auf den wichtigsten Mehrwert von eurer Lösung genauer eingehen?

Wir bieten mit unserem Produkt, wie bereits erwähnt, eine deutlich höhere Auflösung: Dies wird mithilfe unsers Signalverarbeitungsalgorithmus ermöglicht, welcher gleichzeitig die nutzbare Chipfläche drastisch erhöht. Darüber hinaus ist ein innovativer multispektraler Ansatz Teil des Projektes – so können mehrere Areale der Umgebung gleichzeitig abgedeckt werden, was in einer schnelleren und hochauflösenden Umgebungserfassung resultiert.

Ist eure Innovation schon nutzbar?

Noch nicht. Aktuell befindet sich die Hybrid Lidar Systems vorrangig im Forschungs- und Entwicklungsprozess. Wir fertigen in unserem Labor die ersten LiDAR Sensoren in Handarbeit mit Prototypen-Komponenten. Wir sind im Bereich der Optoelektronik, sowie der Hard- und Softwareprogrammierung tätig und fungieren als Designcenter.

In den nächsten zwei Jahren haben wir uns zum Ziel gesetzt, die autonome Mobilität mittels LiDAR Sensoren zu revolutionieren. Langfristiges, übergeordnetes Ziel ist es, mit unserem Sensor die Basis für eine sichere sowie kosteneffiziente Mobilität für den Massenmarkt zu ermöglichen.

Verstehe. In welchen Branchen ist euer Produkt zuhause? Nur in der Automobilindustrie?

Nicht ganz. Hauptzielgruppe ist schon die internationale Automobilindustrie. Allerdings haben wir auch zahlreiche Kontakte zu anderen Branchen geknüpft, welche die Vorteile von LiDAR Sensoren benötigen. Das „Sehen“ ist eine elementare Eigenschaft, die in vielen Branchen (Logistik, Industrie, Windenergie, HealthCare & Sport, Verkehr & Mobilität) benötigt wird, um Produkte auf ein neues (Sicherheits-) Level zu heben.

Du hast vorhin schon erwähnt, dass ihr noch in der Forschungsphase seid. Was ist der nächste große Meilenstein für euch?

Wir verfolgen unsere Ziele seit Ende 2018, die Gründung des Unternehmens. Ende Q4 dieses Jahres, Q1/2021 planen wir unser erstes Automotive Projekt zu buchen. Unser Industrieprodukt LiSSA Industrie ist bereits bestellbar und wird Ende des Jahres an den ersten Kunden im Bereich der Logistik ausgeliefert.

Ingo, damit sind wir leider schon am Ende des Interviews angelangt. Vielen Dank für die spannenden Einblicke in die Automotive Welt und eure innovative Lösung. Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg!

Wer mehr über Hybrid Lidar Systems erfahren möchte, kann sich auf dem Innoloft Profil umschauen.

Olmatic ist das Startup der Woche 32: Effiziente Energiemanagement Lösungen


Energieeffizienz & Umwelt, Industrie 4.0 & Logistik, IT & IKT

Obwohl der Zusatz „smart“ schon länger die Diskussion über Energiemanagement prägt, sind konkrete Umsetzungsansätze nur selten zu finden. Das findet auch unser Startup der Woche, denn herkömmliche Systeme sind meist unflexibel und plattformgebunden. Einer der Mitgründer von Olmatic, Christian Olma, stellt uns daher im Interview die Lösung des Startups vor: Das Olmatic Power Tracking.

Hallo Christian! Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Wir freuen uns schon sehr, Olmatic näher kennenzulernen. Würdest du uns deswegen direkt einen kleinen Pitch geben?

Klar, gerne! Wir entwickeln, fertigen und vermarkten Geräte und Systeme für das Energiemanagement 4.0 und die drahtlose Vernetzung durch zentrale Steuereinheiten im Industrie 4.0 und IoT Bereich. Unser hochinnovatives Olmatic Power Tracking ermöglicht dabei eine maximale Autarkie im Energiebereich.

Was hat es denn genau mit dem Olmatic Power Tracking auf sich?

Das sogenannte Olmatic Power Tracking (OPT) ist eine intelligente Kombination aus Hardware und Software, vereint in einem Produkt, was sich mit der völlig autarken Versorgung elektrischer Verbraucher über regenerative Energiequellen ohne die Notwendigkeit des konventionellen Versorgungsnetzes befasst. Um die durch erneuerbare Energiequellen (Solarzellen, Windturbinen, Wasserkraftwerke, usw.) verfügbare Leistung auf effektivste Weise zu verwenden, ohne überschüssige Energie in Form von Verlustleistung oder ähnlichem zu verlieren, bietet das OPT entsprechende Technologien und Systematiken, um eine dynamische Leistungsverteilung und Priorisierung der Energie- und Verbraucherquellen zu realisieren. Das bedeutet, dass bei optimaler Auslegung die Möglichkeit besteht, nahezu komplett auf das öffentliche Versorgungsnetz zu verzichten und den Energiebedarf über das konventionelle Versorgungsnetz auf < 1% zu reduzieren. Selbst beim Einsatz des Systems ohne regenerative Energiequellen, d.h. direkt über das konventionelle Versorgungsnetz, können hiermit bereits >30% an Energieeinsparung im Vergleich zu herkömmlichen Energiemanagementsystemen realisiert werden.

Das Hauptaugenmerk unseres Energiemanagementsystems liegt auf der spezifischen Behandlung jeder Eingangsquelle und jedes Verbraucheroutputs unabhängig voneinander. Dies gibt uns die Möglichkeit einer Energieverteilung an alle Verbraucher eines Systems mit höchster Effizienz. In Kombination mit einer direkten Integration in die Versorgungsleitung und offenen Schnittstellen in der Kommunikationsleitung können unsere Energiemanagementsysteme einfach an bestehende Systeme angepasst oder in diese integriert werden. Somit ist eine Energieverteilung über die Grenzen einer bestimmten Plattform oder Systems hinweg möglich.

Wie schlägt sich euer Produkt denn verglichen mit aktuell bereits etablierten Energie-Management-Systemen?

Im Gegensatz zu herkömmlichen Energie-Management-Systemen zeichnet es sich vor allem durch die zusätzliche Vernetzung des Smart Grid auf Versorgungsebene aus, welche eine stufenlose Leistungsregulierung (0-100%) und Leistungsverteilung ermöglicht. Durch die spezifische Betrachtung aller Energieverbraucher und der Plattformunabhängigkeit der Systeme, kann ein hocheffizientes Energy-Sharing zwischen verschiedenen Energiesystemen mit maximalem Wirkungsgrad betrieben werden. Herkömmliche Systeme sind plattformgebunden und können lediglich über die Kommunikationsschnittstellen kommunizieren und leiden durch das statische Ein- und Abschalten auf Basis von vorkonfigurierter Leistungshysterese unter höheren Verlusten und fehlender Dynamik. Insbesondere in sicherheitsrelevanten Systemen kann die simple Abschaltung zu enormen Sicherheitslücken oder Chaosszenarien führen, welche das OPT-Verfahren über intelligente und dynamische Leistungsregulierung und Verteilung auf Basis von Priorisierungen vermeidet. Durch kundenspezifische, individuell anpassbare Ausführungen der Module, kann eine maximale Energieeinsparung zu geringen Investitionskosten für den Hersteller/Entwickler erreicht werden, welche geringe Amortisationszeiten versprechen. Das OPT-Verfahren wird hierfür mit bereits bestehenden und am Markt etablierten Energie-Management-Modulen und zentralen Steuereinheiten des Olmatic Produktsortiments verknüpft und realisiert dadurch die zwei folgenden Kernprodukte, welche jeweils in Kombination oder autark voneinander in allen AC und DC strombasierten Energiesystemen, konventioneller und regenerativer Erzeugungsart, verwendet werden können.

Verstehe. Du hast gerade davon gesprochen, dass ihr eure Produkte kundenspezifisch und individuell anpasst. Das Pricing gestaltet sich dann sicherlich genauso, oder?

Unter Anderem. Wir verfolgen die Umsetzung von zwei unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Einerseits verkaufen wir über den Direktvertrieb im B2B Bereich durch entsprechender Akquise unseres Vertriebsteams und im Zuge von Networking-Maßnahmen und andererseits haben wir einen großen Kooperationspartner namens Endrich Bauelemente Vertriebs GmbH, welcher für uns als Zwischenhändler fungiert und international aktiv unsere Produktreihe verkauft. Da wir stets kundenspezifische Produkte anbieten, ist das Pricing-Modell variabel und je nach Komplexität und Aufwand kalkuliert. Als zusätzliche Leistung bieten wir im Bereich des Energie Management 4.0 die komplette Energieberatung als zusätzliche Dienstleistung mit an.

Was sagst du denn zu dem Markt, den ihr aktuell adressiert? Inwieweit siehst du dort Wachstumspotenziale, Chancen und auch Risiken?

Ein Produkt wie das Olmatic Power Tracking zum richtigen Zeitpunkt in einem Markt zu platzieren, welcher momentan mehr denn je im aktuellen Fokus steht, bringt zweifelsohne eine riesige Chance mit sich, das Unternehmen als Vorreiter in einem zukünftig stetig steigenden Markt zu etablieren. Da der Markt der elektrischen Verbraucher in den kommenden Jahren eher steigen wird, die konventionellen Energieressourcen dagegen eher sinken werden, ist damit zu rechnen, dass der Markt im Segment der regenerativen Energieversorgung für die kommenden Jahrzehnte ein gesichertes Wachstum mit sich bringt. Der rechtzeitige Markteintritt, sowie der Schutz des Produkts gegenüber Mitbewerbern stellen für uns also eine riesige Chance dar, uns schon jetzt nachhaltig für die kommenden Jahrzehnte gesund aufzustellen. Nichtsdestotrotz ist der Markt hart umkämpft und bereits durch eine große Anzahl an „Big Playern“ besiedelt, welche den Konkurrenzkampf gerne und direkt annehmen werden und bereits entsprechenden finanziellen Background besitzen, um hier kurzfristig aktiv zu werden. Die große Chance ist somit also gleichzeitig ein großes Risiko, den Konkurrenzkampf und somit die Marktanteile bereits zu Beginn zu verlieren, sofern die Strategie und die Ziele nicht mit vollster Präzision verfolgt werden. Wir verfolgen die internationale Zielgruppe.

Ihr habt euch 2016 gegründet, seitdem ist bestimmt viel passiert. Einige Ergebnisse hast du uns ja im Interview schon erläutert. Wie sehen die nächsten Schritte für die Entwicklung von Olmatic aus?

Im letzten Jahr haben wir die bereits vorhandenen Prototypen zur Marktreife überführt. Ziel war es, diese schnellstmöglich am Markt platzieren zu können. Im Zuge der Prototypenphase wurde ein neues Energiemanagementmodul entwickelt, welches das OPT-Verfahren beinhaltet. Es sind drei neue Produkte entstanden, welche direkt an bereits vorhandene Kundennetzwerke und Vertriebswege vermittelt werden. Das Energieversorgungsmodul ist das erste Produkt der neuen Universal 4.0 Reihe und dient in der aktuellen Ausführung als Energieversorgungsmodul für die intelligente Versorgung und das Energiemanagement gemäß OPT für Verbraucher im Niederspannungsbereich. Die um die Software-Funktionalität des OPT erweiterte wiu kann direkt als Nachfolgemodell der bereits vorhandenen plus der zusätzlichen Funktion des OPT vermarktet werden und dient zukünftig als zentrales Gateway und Steuereinheit zur digitalen Vernetzung des Systems.

Christian, vielen Dank für dieses spannende und ausführliche Interview. Wir wünschen euch für die weitere Entwicklung von Olmatic viel Erfolg. Wer mehr erfahren möchte, kann gerne einen Blick auf euer Innoloft Profil werfen.

Solarworx ist das Startup der Woche 31: Solar power for rural electrification


Energie & Umwelt, Energieversorgung

Führt man in Deutschland einen politischen Diskurs über die Stromversorgung, fallen häufig Buzzwords wie „erneuerbare Energien“, „smart grid“ oder „Speichersysteme“. Diese Begriffe sind von technologischem Fortschritt geprägt, denn ist bereits ein Stromnetz aufgebaut und etabliert, folgen Weiterentwicklungen und Optimierungsmaßnahmen. Was dabei jedoch oft nicht berücksichtigt wird: 1,2 Milliarden Menschen auf der Erde leben noch gänzlich ohne Stromzugang. Stattdessen werden fossile Brennstoffe, wie bspw. Diesel oder Kerosin eingesetzt – selbstredend mit erheblichen Auswirkungen auf Natur und Gesellschaft. Unser Startup der Woche, Solarworx, hat daher die Initiative ergriffen und reagiert auf diese Problemstellungen. Wie? Das erläutert uns CEO Felix Boldt im Interview.

Hallo Felix, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast! Wir freuen uns, heute mehr über Solarworx zu erfahren. Deswegen starte ich auch direkt mit der ersten Frage: Wie würdest du euch in einem Satz vorstellen?

Wir bieten innovative Solarstromlösungen für 1.2 Milliarden Menschen ohne Stromzugang.

Ein sehr sozialer Ansatz. Könntest du da ein bisschen weiter ins Detail gehen? Wie ist eure Lösung bspw. technisch aufgebaut?

Unsere Solarstromlösungen richten sich an Menschen in Sub-Sahara Afrika, die fernab des öffentlichen Stromnetzes leben. Unsere Systeme lassen sich modular erweitern und sprechen mit unseren Kunden in lokalen Sprachen wie Suaheli und Wolof. Einzelne Anlagen können untereinander zu einem DC-Microgrid verbunden werden, wodurch Nachbarn Strom teilen und größere Verbraucher problemlos betrieben werden können. Unsere Produkte sind IoT integriert und lassen sich bequem über das Handyguthaben der Kunden in Raten bezahlen (PayGo). Wir nutzen sauberen Solarstrom, verwenden Kunststoffe auf Holzbasis für unsere Produktgehäuse und innovative Batterietechnologien ohne Verwendung seltener Erden.

Du hast gerade schon einige Aspekte aufgezählt, die eure Technologie und eure Mission auszeichnen. Schafft ihr darüber hinaus weitere Mehrwerte?

Wir haben unsere langjährige Erfahrung als Gründer im off-grid Solarsektor genutzt, um eine einzigartige, auf unsere Zielmärkte zugeschnittene Lösung zu entwickeln. Die Systeme können zum Betrieb von Haushaltsgeräten (Lampen, Fernseher, Kühlschrank) genutzt werden aber auch lokale Kleinbetriebe ohne Stromnetzzugang unterstützen. Im Vergleich zu Dieselgeneratoren und dem Anschluss an ein Stomnetz bieten wir eine kostengünstigere und ökologisch nachhaltige Alternative.

Der durch eure Anlagen produzierte Strom ist ja für den Endverbraucher gedacht. Ist euer Geschäftsmodell dementsprechend aufgebaut?

Nein, wir verfolgen da ein anderes Konzept. Aus unserer Erfahrung hat sich gezeigt, dass vertikal integrierte B2C Konzepte mit regionalem Fokus riskant sind und eine schnelle Skalierung verhindern. Wir vertreiben unsere Produkte daher auf B2B Basis an lokale, in den Zielmärkten (zurzeit West-Afrika) erfahrene Distributoren. Abgesehen davon bieten wir Beratungsleistungen für Distributoren, NGOs und weitere internationale Akteure an.

Verstehe. Zu Anfang hast du von 1,2 Milliarden Menschen gesprochen, die derzeit ohne Stromzugang leben. Welche Auswirkungen hat eine solche Lebensweise?

Genau, mehr als 1 Milliarde der ärmsten Menschen der Welt haben keinen Zugang zu Strom. 600 Millionen allein in Sub-Sahara Afrika. Die meisten von Ihnen nutzen fossile Brennstoffe, wie Kerosin für Licht und Diesel für Generatoren. Der fehlende Zugang zu einer sauberen und kostengünstigen Stromversorgung schränkt die Bildungschancen von Kindern ein, schädigt die Gesundheit von Familien und bietet nur sehr begrenzt Möglichkeiten Einkommen zu generieren. Diese Auswirkungen können dann natürlich gesellschaftlich und politisch weitergesponnen werden.

Solarworx wurde 2018 gegründet und ihr habt seitdem schon einige Meilensteine bestritten. kannst du uns darüber etwas mehr erzählen?

Seit Ende 2018 haben wir unsere Solarstromsysteme in zwei Pilotprojekten mit insgesamt 250 Anlagen in Senegal und Kamerun getestet. Die erste kommerzielle Produktion ist letztes Jahr gestartet. Parallel haben wir ein Microgrid-Modul entwickelt. Wir konnten uns ein Seed-Investment von InnoEnergy und diverse andere Zuschüsse sichern. Für unsere Solar Home Systeme wurden wir u.a. mit dem „Digital Solar & Storage“ Award ausgezeichnet und haben uns für die globale Finalrunde von „Empower a billion lives“ von IEEE qualifiziert. Ende letzten Jahres haben wir den zweiten Platz beim MakeItBetter Award belegt.

Vielen Dank für das spannende Interview, Felix. Wir finden euer Projekt klasse und wünschen euch auch weiterhin viel Erfolg! 

Um die Serienproduktion ihrer  modularen Lösung anzugehen, sucht Solarworx noch Investoren. Mehr dazu findet ihr auf ihrem Innoloft Profil.

Nuventura ist das Startup der Woche 30: Innovative gasisolierte Schaltanlagen


Energie & Umwelt, Energieeffizienz & Umwelt

Bei Diskussionen und Berichterstattungen um Treibhausgase ist der Begriff CO2 wohl am präsentesten. Weniger häufig fallen Verbindungen wie Methan oder Lachgas. Aber nur, wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigt, ist schonmal auf die Familie der fluorierten Treibhausgase gestoßen. Anders als die klassischen Treibhausgase, werden die sogenannten F-Gase nämlich nicht als unerwünschte Nebenprodukte (bspw. bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe) freigesetzt, sondern gezielt produziert, zum Beispiel für gasisolierte Schaltanlagen. Dabei ist ihr Effekt auf die Ozonschicht laut Umwelt Bundesamt je nach Substanz 100- bis 24.000-mal höher als bei Kohlendioxid. Unser Startup der Woche, nuventura, sieht dort zurecht Handlungsbedarf und entwickelt daher eine Technologie, die ohne SF6 auskommt. CEO Fabian Lemke erklärt uns im Interview, was dahinter steckt.

Hallo Fabian! Vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns nimmst! Würdest du uns zum Einstieg einen kurzen Pitch geben?

Nuventura ermöglicht ein sichereres und effizienteres Energienetz ohne SF6 – dem stärksten Treibhausgas, dass es gibt.

Ein Energienetz beinhaltet eine Vielzahl von Komponenten. Wo setzt eure Lösung da konkret an?

Nuventura hat eine neue revolutionäre Schaltanlage erfunden – ein wesentlicher Bestandteil jedes Stromnetzes –, die frei von Treibhausgasen ist und den bestehenden Industriestandard übertrifft. Bestehende gasisolierte Schaltanlagen (GIS) basieren auf SF6 – dem stärksten Treibhausgas, das die Menschheit kennt. Es ist 23.500 mal schlechter als CO2 in Bezug auf seine globale Erwärmungswirkung. Es handelt sich um ein synthetisches Gas, für das weder eine natürliche Senke noch eine wirksame Entsorgungsmethode zur Verfügung steht, so dass seine Anhäufung in der Atmosphäre nahezu irreversibel ist. Darüber hinaus ist das Gas extrem langlebig: Die atmosphärische Lebensdauer von SF6 beträgt 3.200 Jahre, was weit über die Lebensdauer von CO2 von 100-200 Jahren hinausgeht.

Die vorliegenden Daten zeigen, dass jedes Jahr ca. 8000t SF6 in die Atmosphäre abgegeben werden (entspricht 188.000.000.000t CO2). 80% des produzierten SF6 werden in gasisolierten Schaltanlagen eingesetzt. nuventura hat ein GIS entwickelt, das anstelle von SF6 einfach die Luft nutzt, die wir alle atmen, so dass die Verwendung dieses hochwirksamen Treibhausgases entfällt.

Das klingt sehr vielversprechend. Gibt es neben der Reduktion von Treibhausgasen weitere Vorteile, die mit eurer Schaltanlage einhergehen?

Die Technologie hat nicht nur das Potenzial, eine Treibhausgasemissionsminderung in Höhe von 100 Millionen Autos auszulösen, sondern verbessert auch die Leistung der Schaltanlagen erheblich. Es ermöglicht erstmals ein integriertes, typgeprüftes Sensorsystem. Die Technologie ebnet den Weg für Anwendungen in der Industrie 4.0, wie z.B. Zustandsüberwachung, vorausschauende Wartung oder dynamische Anpassung von maximal zulässigen Lasten. Sein innovatives Design reduziert die Gesamtbetriebskosten aufgrund der aktivierten Vorteile und der verlängerten Lebensdauer. Darüber hinaus ermöglicht es eine wettbewerbsfähige Produktion und einen wettbewerbsfähigen Betrieb, indem es den Herstellungsprozess vereinfacht und die Notwendigkeit einer Gasbehandlung und teurer Herstellungsverfahren, wie sie bei SF6-basierten Designs üblich sind, überflüssig macht.

Wie gestaltet sich denn der Vertrieb eurer Entwicklung?

Wir lizenzieren unsere Anlagen an Hersteller, die in diesem Kontext zudem als Research & Developement Center agieren. Wir arbeiten außerdem mit Endverbrauchern (DSOs und Industrie) zusammen, um sicherzustellen, dass unsere Technolgie auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Du bist gerade schon am Rande auf den Industriebereich als potenziellen Markt eingegangen. Wie groß ist denn der gesamte Markt, auf dem ihr euch bewegt?

Genau, unsere Zielkunden sind die globale Gemeinschaft der Schaltanlagenhersteller und unser Produkt ist für den globalen Einsatz geeignet. Insgesamt adressiert unsere Technologie einen Markt von 11,1 Mrd. €, der bis 2024 mit einer 10 %igen CAGR zu einem 23,1 Mrd. € Markt weiter wachsen wird.

Da ist natürlich ein großes Potenzial. Welche Unternehmungen habt ihr denn bereits angestellt, um diesen Markt zu erschließen?

Wir haben im letzten Jahr unsere Seed-Investment-Runde mit E.ON, dem von der IBB Beteiligungsgesellschaft mbH verwalteten VC Fonds Technologie Berlin, Apex Energy Teterow und bestehenden Investoren abgeschlossen. Nach der Investition, mehreren Zuschüssen, Darlehen und nationalen und internationalen Innovationspreisen verfügt nuventura nun über einen beachtlichen 7-stelligen EUR-Betrag, um die anstehenden Ziele und Meilensteine zu realisieren. Unser Fokus liegt nun darauf, unsere nachhaltige, patentierte Technologie für gasisolierte Schaltanlagen für den gewerblichen Einsatz im Mittelspannungsbereich weiter zu zertifizieren und als Technologielizenzunternehmen in den Markt für Schaltanlagentechnologien einzusteigen.

Fabian, vielen Dank für dieses spannende Interview! Wir hoffen, auch in Zukunft noch viel von euch zu hören und wünschen euch weiterhin viel Erfolg!

Ihr möchtet mehr über nuventura erfahren? Nuventuras Innoloft Profil gibt euch mehr Informationen über mögliche Kooperationschancen.